Blickpunkt Herdorf
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Herdorf im Wandel der Zeit
Vorgeschichtliche Funde von Windöfen, in denen Eisenerz geschmolzen wurde, deuten darauf hin, daß der Herdorfer Raum schon in der La-Tène-Zeit (500 - 100 v. Chr.) besiedelt war.
Die erste urkundliche Erwähnung Herdorfs stammt aus dem Jahre 1344. Damals hatten die Herren von Bicken einen Teil ihrer Einkünfte aus Herdorf an die Herren von Scheidt, genannt Weschpfennig, verliehen.
Um 1360 gelangte Herdorf unter die Herrschaft der Grafen von Sayn, die den Ortsteil rechts der Heller dem Amt und Gericht Freusburg und den Ortsteil links der Heller dem Amt und Gericht Friedewald zuteilten. In kirchlicher Hinsicht gehörte der Ortsteil rechts der Heller zum Kirchspiel Kirchen, auf der linken Seite zum Kirchspiel Daaden. Einen besonderen Status besaß das Gebiet der sogenannten Königsmauer, die als Allodium (freier Grundbesitz, für den in der Regel auch keine Steuern an den Landesfürsten zu entrichten waren) ebenfalls zum Amt Friedewald und Kirchspiel Daaden gehörte. Diese Dreiteilung Herdorfs spiegelt sich auch im heutigen Wappen der Stadt wider.
Nach dem im Augsburger Religionsfrieden von 1555 festgelegten Grundsatz, daß die Untertanen die Religion ihres jeweiligen Landesherren annehmen mußten, wechselten auch die Bewohner Herdorfs im Laufe der folgenden 100 Jahre mehrmals ihre Konfession.
Im Jahre 1803 wurde die Grafschaft Sayn-Altenkirchen aufgelöst und dem Großherzogtum Nassau angeschlossen. Mit dem Wiener Kongress von 1815 kam dieses Gebiet und damit auch Herdorf zu Preußen. 1822 wurden die Regierungsbezirke Koblenz, Trier und Aachen zur Rheinprovinz vereinigt. Bei der Neuordnung nach dem zweiten Weltkrieg kamen die Regierungsbezirke Koblenz und Trier zu Rheinland-Pfalz. Herdorf verblieb trotz intensiver Bemühungen, eigenständig zu werden, zunächst beim Amt Daaden. Erst 1955 kam es dann unter Einbeziehung der Nachbargemeinden Dermbach und Sassenroth zur Gründung der amtsfreien Gemeinde Herdorf.
Am 24. Januar 1981 wurde der Gemeinde Herdorf auf Beschluß der Landesregierung die Bezeichnung "Stadt" verliehen.
Bergbau und Hüttenwesen prägten jahrhundertelang das Bild Herdorfs. Bereits 1471 werden die "Alte Herdorfer Hütte" und die "Seelenberger Hütte" urkundlich erwähnt. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Köln-Gießen und deren Inbetriebnahme im Jahre 1861 begann der wirtschaftliche Aufstieg. Während die Einwohnerzahl im Jahre 1860 noch bei 875 lag, stieg sie in den folgenden fünf Jahren um mehr als das Dreifache an. Mehr als 20 Eisenerzgruben waren um 1870 in Betrieb. Bis 1910 war Herdorf auf 4500 Einwohner angewachsen. Erst mit dem Rückgang dieser Wirtschaftszweige vollzog sich ab 1960 ein tiefgreifender industrieller Wandel. Neue Gewerbebetriebe im Bereich der metallverarbeitenden Industrie und der Automobilzulieferer wurden angesiedelt, bestehende Unternehmen passten sich den neuen Märkten an. Zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen aus dem Produktions- und Dienstleistungsbereich entstanden in neu erschlossenen Gewerbegebieten.
Industrie und Handel bieten heute den ca. 7.000 Einwohnern Herdorfs rund 1.600 Arbeitsplätze.



