Die Grube Guldenhardt

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Die Grube Guldenhardt

Stollen und Abbausohlen sowie Pingenfelder der Grube Guldenhardt
Die Grube Guldenhardt

Unterhalb des  Ortsteiles Dermbach befand sich die Grube Guldenhardt. Auf dem knapp 400 m langen Gangzug wurde schon im 18. Jahrhundert von mehreren Gewerkschaften (Alte und Weiße Guldenhardt, Kux, Grenze u.a.) Bergbau betrieben. Die bislang bekannte älteste Erwähnung stammt aus einer Rechnung von 1705 und lässt vermuten, dass der Bergbau zumindest auch noch in das davorliegende Jahrhundert zurückreicht. Der ursprüngliche Abbau über Tage ist auch heute noch an den zahlreichen und teilweise um die 10 m tiefen Pingen nachvollziehbar. Die Aufschließung des Ganges erfolgte anschließend durch mehrere Stollen. Mit dem rund 300 m langen Tiefen Stollen der Guldenhardt  wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrunderts begonnen. Er brachte in dem steil ansteigenden Berg eine Teufe von rd. 100 m ein und überschritt bereits die Grenze in das damalige Herzogtum Nassau. 

Bekannt und begehrt war die Grube wegen ihres außerordentlich reinen Spateisensteins, dessen Qualität von keiner der zahlreichen anderen Gruben des Bezirks erreicht wurde.  Von den  begehrten Erzen durfte sie von alters her bis zu 500 Wagen ins nassauische „Ausland“, u.a. an die Wendener Hütte liefern, eine Ausnahme in der damaligen Zeit. Das Bergamt bedauerte dies in einem Bericht von 1755, da das hochwertige Guldenhardter Erz  „viel schlechtem Eisenstein“  auf den saynischen Hütten an Heller und Sieg beigemengt werden könne, damit sich der Anteil minderwertiger Erze besser verarbeiten und günstiger verkaufen lasse. Mit dem neuen Grubenbesitzer hatte man nun eine Vereinbarung getroffen, denn wie weiter angemerkt wurde, habe Kommerzienrat Remy „den überflüssigen Stein von diesem Werck übernommen“, so dass „nichts mehr in den Freien Grund davon gehen kann.“

Zwischen 1831 und 1845 wurden rd. 29.800 to Eisenerze und 1.200 to Kupfererze abgebaut. 1840 wurde eine Wassersäulenmaschine im Tiefen Stollen installiert. Die drei auf dem Gangzug tätigen Gruben Guldenhadt, Kux und Grenze konnten nun ihre Gesenke wasserfrei halten und auch tiefer gelegene Gangmittel abbauen. Das Wasser für den Antrieb wurde aus dem Dermbach über einen Graben und einer aus Bruchsteinen gemauerten Rösche in den Stollen geführt.  Mit dem Bau eines Maschinenschachtes wurde 1871 begonnen.und zwei Jahre später mit einer dampfbetriebenen Anlage die Förderung über zwei  Tiefbausohlen (42 m und 72 m) aufgenommen.  Auf  der  nachfolgenden 105 m-Sohle fanden sich aber kaum noch abbauwürdige Mittel, so dass die Grube schon 1880 zum Erliegen kam.

Eine Vorreiterrolle hatte die Guldenhardt bei den Abbaumethoden eingenommen. Nach den Aufzeichnungen von L.W. Cramer, dem nassau-usingischen Oberbergrat und früheren Leiter des Kirchener Bergamtes, führte die Gewerkschaft 1777/78 als erste in der Grafschaft Sayn–Altenkirchen eine neue Abbaumethode, den Firstenbau ein. Im Gegensatz zu dem bis dahin üblichen Strossenbau findet bei dieser Methode der Abbau stufenförmig nach oben statt, Ansatzpunkt für den Bergmann ist dabei die Firste. Begonnen hatte man mit dieser Methode aber offensichtlich schon Jahrzehnte vorher, denn in einem Bericht von 1755 über die Weiße Guldenhardt heißt es: „und das Hangende hat ein gut ablösen, die Arbeit ist aber sehr gefährlich, weil oft ohnvermuthete Läste einbrechen, so mit Holz nicht gefangen und verbauet werden können, wie dann auch verschiedene Persohnen daselbst verunglücket.“ Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich der Firstenbau auf den Gruben des gesamten Bezirks durchgesetzt.

Inzwischen ist die Grube mit den montanhistorischen Relikten in die Erzstraße des Kreises Altenkirchen integriert worden. An der Guldenhardt wurde ein Hinweisschild angebracht, das einen QR-Code enthält, mit dem man über Smartphon weitere Informationen über die Grube abrufen kann.

Literatur:

Fenchel, W., Gies, H., Gleichmann, H.-D., Reichenbach, R., u.a. (1985)                                                                          Sammelwerk Deutsche Eisenerzlagerstätten,  Die Sideriterzgänge im                                         Siegerland-Wied-Distrikt,  Geologisches Jahrbuch Reihe D Heft 77,                                             Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart

Trojan, C. (2011)    Die Wassersäulenmaschine der Grube Guldenhardt, Verlag Books on                                         Demand GmbH, Norderstedt,                                                                                                                 Videosequenz unter  https://www.youtube.com/watch?v=IBtFt-JahTc