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Die Grube Friedrich Wilhelm

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Die Grube Friedrich Wilhelm

Auf die Zeit um 1820  lässt sich der Beginn der Grube Friedrich Wilhelm zurückverfolgen. Unterhalb der heutigen Landesstraße nach Daaden erfolgte am Ortsausgang der Abbau zunächst über Pingen  und Tagesschächte, von denen aus mit kurzen Sohlen in geringer Tiefe das Gangmittel überfahren wurde. Schon bald suchte man die Zusammenarbeit mit dem  benachbarten  Grubenfeld  Florz,  wo  der  Bergbau  bereits  im  vorangegangenen Jahrhundert begonnen hatte. Hier waren zunächst Kupfererze gewonnen worden, mit dem fortschreitenden Abbau aber überwiegend Braun- und Spateisenstein angetroffen worden. 

Blick in den Florzer Erbstollen 2015 - Foto Friedel Rickes
Florzer Erbstollen

Nach der Zusammenlegung verschiedener Grubenfelder begann um 1855 der Bau des Florzer Erbstollens. Nach rund 200 m wurde 1860 das Florzer Mittel angetroffen, zuvor hatte man durch einen Querschlag in östlicher Richtung das früher schon in den oberen Bereichen abgebaute Friedrich-Wilhelm-Mittel erreicht. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich der Grubenbetrieb lebhaft und erschien in den Förderstatistiken des preußischen Staates konstant als bedeutendste Grube  des  Florz - Füsseberger  Gangzuges.  Im  weiteren  Betrieb  erwiesen  sich  die Erzvorkommen auch als die Mächtigsten des gesamten Gangzuges. 

Der Tiefbau setzte auf der Grube Friedrich Wilhelm 1871 ein.  Die erste Tiefbausohle, 51 m unter dem Erbstollen gelegen, wurde  aber  zunächst  über  den  Maschinenschacht  der nahegelegenen Grube Zufälligglück aufgeschlossen, Friedrich Wilhelm besaß zu diesem Zeitpunkt noch keine eigene Förderanlage.

Nach einem schweren Unglück auf der Grube Bindweide im März 1872 trennte sich die Unternehmerfamilie Stein von ihrem Grubenbesitz. Frriedrich Wilhelm und die benachbarte Grube Füsseberg in Biersdorf wurden noch im gleichen Jahr an Krupp verkauft.¹  Ihren ersten Tiefbauschacht erhielt die Grube 1874.  Die  Förderanlage  wurde  zu  Beginn  mit  einer Dampfmaschine betrieben. Das  erste  Fördergerüst  bestand  aus  einer  10 m  hohen Holzkonstruktion. Mit späteren Modernisierungen der Anlage erreichte der Schacht I bis zur Betriebseinstellung 1965 eine Teufe von 948 m.  

Friedrich Wilhelm um 1913, im Vordergrund die untere Betriebsebene mit den Tagesanlagen - Foto Peter Weller (1868-1940)
Friedrich Wilhelm um 1913

Die Grube besaß zwei räumlich auseinander liegende  Betriebsebenen: eine mit Schacht, Fördermaschinen- und Kesselhaus, Zechenhaus und Zimmerei sowie eine zweite, tiefer gelegene Ebene in einer Entfernung von rund 350 m. Hier trat der  Erbstollen aus, über den  die  gesamte  Förderung   von  1860  an ausgebracht und in den dort errichteten Aufbereitungs- und Röstanlagen weiterbehandelt wurde. Der Weitertransport erfolgte  ursprünglich  mit  Pferdefuhrwerken  und  ab  1861  über  eine  2,5 km  lange Grubenbahn zum Bahnhof Herdorf. . 

Den Florzer Erbstollen hatte man bis 1880 schon über 1.000 m weit vorgetrieben und war in den ebenfalls im Kruppschen Besitz stehenden Feldern zu Füsseberg angekommen. Die dazwischen liegende Grube Einigkeit hatte 1885 in ihrem Grubenfeld, dass bisher nur über Stollen und Gesenke erschlossen war, auf der Sohle des Erbstollens einen Blindschacht angesetzt, der in der Folgezeit bis zur 320 m-Sohle vorgetrieben wurde. Auch die für den  Dampfbetrieb  erforderlichen  Kesselanlagen  wurden  im  Stollen,  600 m  vom  Eingang entfernt, eingerichtet. Für den Rauchabzug musste ein Kamin über 100 m hoch zu Tage durchgebrochen werden. 1906  erwarb Krupp auch die Grube Einigkeit, so dass nun die Felder von Füsseberg bis Friedrich Wilhelm in einheitlichem Besitz waren. Der gemeinsame Betrieb als Verbundgrube entwickelte sich jedoch erst 30 Jahre später. 

Die günstige Entwicklung der Erzvorkommen zur Tiefe hin erforderte einen zweiten Schacht, der  ab  1907  angelegt  wurde  und  einen  ellipsenförmigen  Querschnitt  erhielt.  Zum Ausbringen des Erzes wurde ein neuer Förderstollen parallel zum Erbstollen angelegt. Auch die Aufbereitungs- und Röstanlagen wurden dem steigenden Aufkommen entsprechend angepasst. 1910  wurde  eine  jährliche  Fördermenge von   95.000  to  bei  rd.  400 Beschäftigten erreicht. Damit hatte man die Produktion innerhalb von 20 Jahren verdoppelt. 

Die Folgen der Weltwirtschaftskrise um 1930 zwangen auch Krupp zur Optimierung der Betriebsabläufe. 1932 wurden auf dem Florz-Füsseberger Gangzug über 60 einzelne Grubenfelder zusammengeschlossen. Das konsolidierte Feld wurde nun unter dem Namen „Füsseberg“ weitergeführt. Für den Untertagebereich stand dabei im Vordergrund, die zukünftigen Abbausohlen auf ein einheitliches Niveau zu bringen, um die Förderung kostengünstiger zu gestalten. 1934 kam es dann zur ersten Verbindung einer Tiefbausohle zwischen Friedrich Wilhelm und der Grube Füsseberg (494 m/486 m Sohle).   

Die weitaus bedeutsameren Veränderungen geschahen aber bei den Tagesanlagen. Am Schacht Füsseberg wurde die Förderanlage modernisiert und eine große, zentrale Aufbereitungs- und Röstanlage errichtet. Aus den zusammengeschlossenen Grubenfeldern wurde die gesamte Förderung nun nach Biersdorf in die zentrale Anlage verbracht. Bis zur Aufnahme des Verbundbetriebes im Jahre 1937 waren auf Friedrich Wilhelm 3,74 Mio to Roherze gefördert worden, hinzu kamen noch eine halbe Million Tonnen aus der Förderung der Grube Einigkeit in den Jahren von 1851 – 1906. 

Auch  auf  der  Grube  Friedrich  Wilhelm  wurde  nach  dem  Zusammenschluss  die Förderanlage  modernisiert,  da  der  Schacht  Füsseberg  alleine  die  angestrebten Produktionsmengen nicht bewältigen konnte. Die nicht mehr benötigten Aufbereitungs- und Röstanlagen der unteren Betriebsebene im Sottersbachtal wurden aufgegeben und größtenteils abgebrochen. Um die Förderung aus dem Schacht Friedrich Wilhelm zur zentralen Anlage nach Biersdorf zu bringen, wurde ein neuer, 1.600 m langer Förderstollen angelegt und 1942 in Betrieb genommen.  Während  des  Zweiten  Weltkrieges  waren zeitweise mehr als 1.100 Bergleute auf dem Verbundbetrieb beschäftigt und förderten monatlich 44.000 to Erz zutage 

Nach der Übernahme der Gruben durch die Erzbergbau Siegerland AG erfolgten ab 1953 weitere Modernisierungen, die eine Stabilisierung hoher Fördermengen und den Erhalt der Arbeitsplätze zum Ziel hatten. Daneben wurde mit staatlicher Unterstützung nach neuen Erzvorkommen gesucht, um den Betrieb auch längerfristig garantieren zu können. 

Den Entwicklungen auf dem Weltmarkt war aber der Siegerländer Erzbergbau nicht gewachsen. Das Vordringen zu den teilweise über 1000 m tief liegenden Erzvorräten gestaltete sich letztlich zu aufwändig, um noch mit den ausländischen Tagebaubetrieben auf Dauer konkurrieren zu können. Im März 1965 wurde der Verbundbetrieb eingestellt. Bei einer erreichten Schachttiefe von 1052 m  war  auf  20  Tiefbausohlen  Bergbau betrieben worden. Die Fördermenge für den Bereich Füsseberg-Friedrich Wilhelm wird für den rd. einhundertjährigen  Zeitraum auf 18  Mio to Roherz geschätzt.

Literatur:

Fenchel, W., Gies, H., Gleichmann, H.-D., Reichenbach, R., u.a. (1985)  Sammelwerk Deutsche Eisenerzlagerstätten,  Die Sideriterzgänge im Siegerland-Wied-Distrikt,  Geologisches Jahrbuch Reihe D Heft 77, Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart

Gleichmann H.-D, (1994)  Der Füsseberg,  Verlag Höpner und Göttert, Siegen 

Anmerkung

¹   In der Literatur wird häufig als Verkaufsjahr 1865 genannt. Dabei handelt es sich jedoch um eineVerwechslung; Krupp erwarb 1865 die gleichnamige Grube Friedrich Wilhelm bei Horhausen in der Verbandsgemeinde Flammersfeld