Die Grube Concordia

Den nebenstehenden Beitrag können Sie hier als PDF herunterladen

Rathaus Herdorf

Am Rathaus 1
57562 Herdorf

Telefon: 02744 9223-0 
Telefax: 02744 9223-60    

E-Mail-Kontakt

Die Grube Concordia

Gleich drei Bergreviere berührten die Gangvorkommen der belegschaftsstärksten und später auch tiefsten Dermbacher Grube Concordia im Laufe ihrer Geschichte. Sie lag nördlich des Ortes nahe dem schon im Mittelalter erwähnten Grenzpunkt „Kreuzeiche“, wo sie Eisenerz und in geringerem Umfange auch Kupfererze abbaute. Die Anfänge dieser Grube sind unklar, unter der Bezeichnung „Concordia“ erscheint sie erst relativ spät im Jahre 1873. Der Bergbau hat in diesem Bereich aber eine deutlich ältere Geschichte. 

Der bekannte Siegerländer Heimatforscher und Autodidakt Otto Krasa berichtete schon in den 1950er Jahren über die Entdeckung von Verhüttungsplätzen in diesem Gebiet, die er in großmaßstäbigen Karten dokumentierte und vereinzelt prähistorischen, in der Mehrzahl aber frühmittelalterlichen Zeiträumen zuordnete. Leider sind diese Funde nie von der Montanarchäologie näher untersucht worden.

Bergbau im Bereich Concordia, Verlauf verschiedener Stollen nach der Gangkarte des Siegerlandes, Blatt Herdorf, Ausgabe 1909/10
Bergbau im Bereich Concordia (vergrößern durch Anklicken)

Erste schriftliche Nachweise finden sich in einer Beschreibung der Bergwerke der Grafschaft Sayn-Altenkirchen von 1755. Hier wird die  Grube Salz schon als „altes, stark ausgenommenes Werk“ beschrieben, das „wenig Hoffnung bietet, weil der Eisenstein Kupferfunken hat und kein gutes Eisen gibt“. Weiter wird berichtet, dass die Erze teilweise an die Seelenberger Hütte und die Hütten an der Sieg geliefert wurden, der größte Teil jedoch „außer Landes in den Grund“ [gemeint ist der „Freie Grund Sel- und Burbach“ im angrenzenden Nassau] abgegeben wurde. L.W. Cramer, damaliger Leiter des Bergamtes Kirchen, führt die Grube Salz 1787 als eine alte Eisensteingrube an, die unter Wasser steht und stillgelegt wurde. Den nahegelegenen Salzwalder Grundstollen nennt Cramer sogar „uralt“. Diese ausdrücklichen Bezeichnungen, daneben noch kleinere Pingenfelder und Stollen deuten durchaus auf einen schon länger zurückliegenden Bergbau hin, dessen Anfänge man zumindest im 16./17. Jahrhundert vermuten kann.

Diese alten Grubenfelder wurden vermutlich 1873 unter dem Namen "Concordia" konsolidiert. Der Neubeginn des Bergbaues mit dem Tiefen Stollen, in dessen Nähe auch die heute als Begegnungsstätte genutzten früheren Betriebsgebäude errichtet wurden,  wird auch erst der zweiten Hälfte des 19. Jahrh. zugerechnet. 1875 wird die bis dahin größte Fördermenge der Concordia mit 5.500 to Eisenerz und 120 t Kupfererz angegeben, zudem liefen Vorbereitungen für tiefere Bausohlen.1882 wurde bereits Tiefbau auf einer 21 m- und 58 m-Sohle betrieben. 

Vor dem Tiefen Stollen Concordia um 1910 -  Fotograf nicht mehr ermittelbar
Vor dem Tiefen Stollen Concordia um 1910

Der Tiefbau erfolgte von der Stollensohle aus zunächst über einen Blindschacht. Ein Novum im heimischen Bergbau war der Einsatz einer Benzinlokomotive im Jahre 1900 zur Bewältigung der Stollenförderung. Die Ergebnisse dieses Versuchs werden im Folgejahr als sehr günstig bezeichnet, Rauchbelästigungen seien nicht aufgetreten. Ob die Lok auch  längerfristig  eingesetzt wurde, ist nicht bekannt. 

Der knapp 500 m vom Stollenmundloch entfernt liegende Blindschacht wurde 1903 zu Tage durchgebrochen und auf dem rund 100 m höher gelegenen Hang im Folgejahr eine elektrische Schachtförderanlage eingerichtet. Gleichzeitig wurde ein Anschlussgleis zur Kunstertalbahn hergestellt und damit eine Verbindung zur Seelenberger Hütte und dem Bahnhof Herdorf geschaffen. Der Bahnanschluss führte zum Tiefen Stollen, über den die Förderung ausgebracht wurde und in dessen Nähe sich auch die Aufbereitungs- und Röstanlagen befanden. 1905 erweiterte man das Abbaufeld durch den Erwerb der Bergwerke Harteborn und Christinenglück aus dem benachbarten Bergrevier Burbach. Zwei Jahre später erwarben dann die Gewerken der Grube Eisenzecher Zug aus dem Bergrevier Siegen über 75% der Grubenanteile (Kuxe). Concordia hatte zu diesem Zeitpunkt rd. 450 Beschäftigte und eine Jahresförderung von rd. 58.000 Tonnen Erz, war aber zum wiederholten Male in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. 

Während der Strom zunächst selbst erzeugt wurde, erfolgte 1908 ein Anschluss an das Stromnetz des Elektrizitätswerkes Siegerland. Gleichzeitig begann man vom Eisenzecher Zug her mit einer Verbindungsstrecke auf der 350 m Sohle, die vier Jahre später fertiggestellt  wurde. Concordia erstreckte sich nun über drei Bergreviere: Daaden-Kirchen, Burbach und Siegen. Um die damit auftretenden Zuständigkeitsprobleme zu lösen, wurde der Betrieb nun der alleinigen Aufsicht des Bergrevieres Siegen unterstellt. 

Der damals im preußischen Staatsbesitz stehende Reinhold-Forster-Erbstollen wurde bis zur Concordia vorgetrieben und mit deren 100 m-Sohle verbunden. Beginnend im Siegtal bei Eiserfeld erreichte er eine Gesamtlänge von 7,6 km und war damit der längste Stollen des Siegerlandes.

Förderturm Concordia um 1925 - Fotograf nicht mehr ermittelbar
Förderturm Concordia um 1925

In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten der 1920er Jahre kam es auch zu kurzfristigen Einstellungen des Grubenbetriebes. Ab 1924 wurde die Förderung über den Schacht Concordia eingestellt und auf den Kaiserschacht des Eisenzecher Zuges in Eiserfeld verlagert. Abgebaut wurde auf Concordia bis zur 670 m-Sohle. Von seinem hochgelegenen Standort aus musste der Schacht um insgesamt 882 m abgeteuft werden, um die tiefste Sohle zu erreichen. 

Der weitere Abbau auf den früher zur Concordia zählenden Grubenfeldern wurde auch nach dem Zusammenschluss mit dem Eisenzecher Zug von Wirtschaftskrisen und Kriegsereignissen vereinzelt unterbrochen. Die Wiederaufnahme nach dem Zweiten Weltkrieg kam 1953 zum Erliegen, als die Aufbereitungsanlagen des Eisenzecher Zuges abbrannten.   

In den Folgejahren wurde die Förderung noch einmal über die inzwischen zum Verbund gehörende Grube Pfannenberger Einigkeit einige Jahre fortgesetzt. 1960 stellte die Abteilung „Eisenzecher  Zug“ endgültig den Betrieb ein. Zwei Jahre später folgte dann auch das Ende des Grubenverbundes Pfannenberg.

 Literatur:

Fenchel, W., Gies, H., Gleichmann, H.-D., Reichenbach, R., u.a. (1985)                            Sammelwerk Deutsche Eisenerzlagerstätten,  Die Sideriterzgänge im Siegerland-Wied-Distrikt,  Geologisches Jahrbuch Reihe D Heft 77, Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart

Gleichmann H.-D, (1997)  Stahlberg, Hollertszug und Eisenzeche,  Verlag Höpner und Göttert, Siegen 

Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im preussischen Staate (1852-1920), vd. Jahrg., herausgegeben vom preuss. Ministerium für Handel und Gewerbe, Berlin